George Washington

Kapitel 5
Wir leben in einer Zeit, in der soziale Medien unsere Weltsicht stark prägen. Sobald ich über Finanzen, Sicherheit oder meine Sorgen spreche – insbesondere im Austausch mit KI‑Tools wie ChatGPT – wird mir regelmäßig unterstellt, diese Gedanken müssten zwangsläufig aus TikTok, Instagram oder ähnlichen Plattformen stammen. Dies geschieht selbst dann, wenn ich soziale Medien in dem Gespräch kein einziges Mal erwähnt habe. Die Annahme scheint festzustehen: Wenn jemand kritisch denkt, muss es Social Media gewesen sein.
Diese Verkürzung ist falsch.
Im Gespräch mit meinem besten Freund wurde mir deutlich, dass ich mit diesen Gedanken keineswegs allein bin. Immer mehr Menschen beginnen, sich Fragen zu stellen – nicht aufgrund eines einzelnen Videos oder Algorithmus, sondern aufgrund dessen, was real um uns herum geschieht. Natürlich haben soziale Medien Einfluss. Sie verstärken Wahrnehmungen und beschleunigen Informationen. Doch sie sind nicht der Ursprung dieser Sorgen, sondern höchstens ein Verstärker. Was derzeit geschieht, reicht weit darüber hinaus. In den USA reißt die Einwanderungsbehörde ICE Kinder aus Schulen, trennt Familien und zerstört Existenzen – häufig unter dem Vorwand illegaler Aufenthalte, obwohl viele der Betroffenen amerikanische Staatsbürger sind oder sich legal im Land aufhalten. Diese Praxis ist keine Randerscheinung, sondern Teil einer politischen Realität, die bewusst in Kauf nimmt, dass Familien auseinandergerissen werden. Gleichzeitig erleben wir in Europa eine politische Sprache, die sich zunehmend verschiebt. Aussagen von Friedrich Merz über das Staatsbild und über „die Töchter des Staates“ lassen erkennen, wie subtil Verantwortung verschoben wird. Während über angeblich störende Gruppen gesprochen wird, bleiben reale Probleme unangetastet: Gewalt gegen Frauen, Femizide, organisierte Männergewalt, digitale Gewalt durch KI‑basierte Deepfakes. Nicht diejenigen, die arbeiten, helfen und friedlich leben, stellen die eigentliche Bedrohung dar – sondern strukturelle Machtverhältnisse, die konsequent verharmlost werden. Parallel dazu eskalieren gesellschaftliche Konflikte weltweit. Das Geschrei rund um Palästina polarisiert, während jüdische Menschen erneut angegriffen werden, antisemitische Gewalt zunimmt und Pogrome wieder Teil der Realität werden. Holocaust‑Überlebende selbst ziehen Vergleiche zwischen der aktuellen politischen Entwicklung – insbesondere unter Donald Trump – und den gesellschaftlichen Dynamiken der 1930er‑Jahre. Nicht, weil Geschichte sich identisch wiederholt, sondern weil Muster erkennbar sind: Ausgrenzung, Entmenschlichung, Schuldzuweisung und autoritäre Normalisierung.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir „überreagieren“, sondern ob wir bereit sind hinzusehen. Stehen wir am Beginn eines gesellschaftlichen Umbruchs, der die Welt, wie wir sie kennen, grundlegend verändert? Oder werden berechtigte Sorgen systematisch als Überforderung, Müdigkeit oder irrationale Angst abgetan – mit der stillschweigenden Aufforderung, nichts zu hinterfragen und nichts zu unternehmen? Denn der Satz „Du bist nur erschöpft“ kann auch ein Instrument sein, um Wahrnehmung zu delegitimieren. Im September des vergangenen Jahres wurden über dem polnischen Luftraum russische Drohnen gesichtet. Bereits zuvor, im März, hatten bedeutende Medien und Zeitungen erste Warnungen vor möglichen kriegerischen Entwicklungen in der Region veröffentlicht. Ab September intensivierten auch finanzielle Portale ihre Berichterstattung und gaben Ratschläge, wie man sich auf Krisensituationen vorbereiten könnte. Weniger bekannt ist, dass im Falle eines Krieges oder selbst während turbulenter Phasen eines Konflikts der Staat nicht nur auf Bankguthaben zugreifen kann, sondern gegebenenfalls auch Fahrzeuge und anderes Eigentum beanspruchen darf. Darüber habe ich mich gestern mit meinem besten Freund unterhalten. Er war der Meinung, dies sei nicht möglich – der Staat verfüge zwar über begrenzte finanzielle Mittel, und auch die Armee sei nicht so reich, dass sie einfach SUVs, Jeeps oder vergleichbare Fahrzeuge beschlagnahmen könne. Ich wies darauf hin, dass entsprechende Regelungen existieren und dass diese rechtlichen Möglichkeiten bereits festgelegt wurden, weshalb ein Kauf bestimmter Fahrzeuge aus staatlicher Sicht nicht zwingend erforderlich ist. Bereits Ende des vergangenen Jahres erhielten Bürger in den nordischen Staaten offizielle Schreiben, die sie über geänderte Vorschriften informierten. Diese Schreiben erklärten den Empfängern, dass der Staat in Krisensituationen unter bestimmten Bedingungen auf Fahrzeuge oder sogar Wohnraum zugreifen darf, wenn dies notwendig wird. Polen folgt hierin einem vergleichbaren Vorgehen. Auch hier existieren gesetzliche Regelungen, die in Krisenzeiten den Zugriff auf private Fahrzeuge oder Immobilien durch den Staat ermöglichen, sofern dies der Verteidigung oder dem öffentlichen Interesse dient.
Nach dem Gespräch mit meinem besten Freund wurde mir erneut bewusst, wie unterschiedlich wir Sicherheit definieren. Er ist weiterhin überzeugt, dass stabile Erwerbsarbeit und klassische Eigentumsformen – etwa eine eigene Wohnung, ein Auto und ein gesichertes Einkommen – die verlässlichste Grundlage für ein sicheres Leben darstellen. Meine eigenen Erfahrungen haben mich jedoch zu einer anderen Einschätzung geführt. Ich besaß selbst eine Eigentumswohnung und empfand diese Form von Sicherheit rückblickend als wenig praktikabel. Die Bindung an einen festen Ort schränkte meine Beweglichkeit stark ein, und sämtliche Probleme – von Schimmelbefall bis hin zu unerwartet hohen Nebenkosten – musste ich allein tragen. In vielen Fällen erwiesen sich diese Belastungen als teurer, als es bei einem Mietverhältnis der Fall gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund stellte sich für mich zwangsläufig die Frage nach einer neuen Lebensausrichtung. Nachdem ich meine Wohnung verkauft hatte und zu meinem damaligen Partner zog – einem Mann, der sich später als narzisstisch erwies und mein gesamtes Hab und Gut einbehielt –, war ich gezwungen, mein Verständnis von Sicherheit grundlegend zu überdenken. Dabei wurde mir klar, dass Sicherheit für mich nicht länger den klassischen Mustern folgt. Während mein bester Freund sich ohne größere Zweifel auf Eigentum, ein festes Auto und ein stabiles Einkommen einlassen kann, ist dieser Weg für mich weder realistisch noch erstrebenswert. Gründe dafür liegen sowohl in meiner lückenhaften formalen Bildung als auch in meinem Lebensstil – vor allem aber in der bewussten Entscheidung, mich nicht erneut in starre Strukturen zu binden. Ich recherchiere und lerne derzeit intensiv über alternative Lebensformen und -stile, wie Vanlife, Minimalismus oder andere selbstbestimmte Wohn- und Lebenskonzepte. Dabei muss ich von vornherein ehrlich sagen: Ich bin keine Minimalistin. Ich bin eine sehr praktische Person, gleichzeitig aber natürlich eine Frau – das bedeutet, ich mag es, Kleidung zu besitzen, die für verschiedene Anlässe passt. Ich hasse es, unvorbereitet zu sein, etwa wenn ich spontan ins Theater gehen möchte. Was ich im Laufe des Jahres gelernt habe, ist jedoch Folgendes: Schick zu sein, bedeutet nicht, möglichst viele Kleidungsstücke zu besitzen. Qualität ersetzt Quantität. Deshalb baue ich mir derzeit eine Garderobe auf, die überwiegend aus natürlichen Stoffen wie Baumwolle, Leinen und Wolle besteht. Das spart mir Geld, erleichtert mir die Organisation und macht den Winter deutlich ökonomischer und praktischer. Ich habe gelernt, in Qualität zu investieren, statt auf kurzfristige Billigartikel zu setzen. Darüber hinaus beginne ich nun, das Konzept zu verstehen, das mir früher eine jüdische Frau in der Synagoge vermittelt hat: Ihre Mutter sagte immer, man solle nur so viele Dinge besitzen, wie man tatsächlich tragen kann. Die Frage, die sich daraus für mich ergibt, lautet jedoch: Bezieht sich diese Regel nur auf materielle Dinge oder auch auf finanzielle Mittel? Kann ich als Einzelperson tatsächlich so unabhängig werden, dass der Staat meine Ressourcen nicht erreichen kann?
Hypothetisch betrachtet: Wenn ich mich für Vanlife entscheide, würde ich auf engem Raum leben, autark und mobil. Der Staat möchte dies jedoch nicht – nicht, weil es das Problem von Armut oder Arbeitslosigkeit offenlegt, sondern weil die Menschen in diesem Fall die üblichen Zahlungen an Mieten und Versorger vermeiden könnten. Stell dir vor, die armen großen Konzerne wie die GEZ oder Stromanbieter könnten plötzlich keine Zahlungen mehr erzwingen. 😅😬 Da muss man doch Mitleid haben! Die armen, armen Firmen – wie soll die Wirtschaft überleben, wenn Menschen selbstständig, autark und sicher leben? Natürlich muss der Staat eingreifen, um die armen, armen Konzerne zu retten, die sonst nicht mehr verdienen würden, während die Menschen einfach mit Solarenergie ihren eigenen Strom produzieren. Wenn wir hier sitzen und über alternative Lebensstile sprechen, fällt mir auch eines sehr deutlich auf: Soziale Medien zeigen besonders stark die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Doch was bedeutet heute eigentlich „reich“? Viele Influencer propagieren mittlerweile, dass wahre finanzielle Freiheit oft mit minimalistischem Besitz einhergeht – dass Reichtum paradox mit „Besitzlosigkeit“ verbunden ist. Zunächst klingt das widersprüchlich: Wie kann man reich sein, wenn man gleichzeitig scheinbar nichts besitzt? Beobachtet man jedoch die tatsächlichen Lebensweisen sehr vermögender Menschen, fällt schnell auf, dass ihr Besitz oft sehr begrenzt ist. Ein hübsches Haus, vielleicht ein Grundstück, ein Auto – vielleicht auch nicht – und meist ein schlichtes Telefon. Auf ihren Namen eingetragene Vermögenswerte sind selten.
Warum ist das so? Viele der reichsten Personen, wie Elon Musk, verfügen offiziell über Milliarden oder gar Billionen, sagen aber selbst, dass sie kaum liquide Mittel besitzen. Häufig sind sie durch Unternehmensstrukturen wie GmbHs oder Aktiengesellschaften mit großen Summen verbunden – in leitender Funktion oder als Manager –, besitzen das Vermögen aber nicht persönlich. Auch ihr Stil fällt auf: Die Reichen kleiden sich oft extrem monoton – immer die gleiche Art von T-Shirt, die gleiche Art von Hose. Auf den ersten Blick mag das pragmatisch wirken: keine Entscheidungsmühe, weniger Paparazzi-Aufmerksamkeit. Doch vielleicht steckt dahinter auch ein bewusster Mechanismus – eine Ablehnung des klassischen Überflussdenkens und der gesellschaftlichen Erwartung, Reichtum müsse sich in sichtbarem Besitz zeigen. Reiche Menschen legen ihren Fokus stärker auf soziale Kontakte, auf Kontrolle und Selbstbestimmung – Aspekte, die eng miteinander verbunden sind. Wir Durchschnittsmenschen hingegen setzen auf Individualismus. Wir glauben, dass individuelle Entscheidungen automatisch besser für uns seien. Wir denken, dass wir dadurch, wenn wir sozial agieren – zum Beispiel indem wir zu einer sinnlosen Demo wie Free Palestine gehen –, mehr gemocht, mehr akzeptiert werden.
Manche von uns, wie meine beiden Freundinnen Nil und …, glauben so stark, dass Reichtum und Geldbesitz grundsätzlich etwas Schlimmes ist. Schließlich gibt es in der Bibel Verse, die besagen, dass man nicht zu reich sein soll, um nicht dem Teufel zu verfallen oder ähnliches. Verzeih mir bitte, ich bin nicht pro-christlich. Wer länger mit mir Zeit verbracht hat, weiß das bereits. Es gibt da draußen zwei Dinge, die ich absolut nicht leiden kann: jeder christliche Glaube und Männer. Zurück zum Punkt: Wir haben verinnerlicht, dass das Einzige, was Sicherheit bringt, Besitz ist. Wir lernen in der Schule, gehorsam zu sein, nicht mit eigener Initiative voranzugehen. Diese Glaubenssätze führen wir weiter – wie mein bester Freund Carol. Er wird immer für andere arbeiten, niemals eine eigene Firma gründen oder extra Geld zur Seite legen wollen, wenn es nicht zu 100 % vom Staat genehmigt wird. Er würde niemals auch nur etwas bei der Kasse vergessen zu scannen, weil er glaubt, dass er damit automatisch ein extrem schweres Verbrechen begeht, während er ohnehin schon 300 PLN für Grundnahrungsmittel ausgibt. Wir wurden trainiert, brav zu sein, immer dankbar, und zu glauben, dass der Staat uns belohnt, je mehr wir arbeiten. Menschen wie ich hingegen stellen ein Problem dar – nicht nur wegen mangelnder Bildung, sondern auch, weil wir selbstständig denken. Selbstständig denkende Menschen werden früher oder später als problematisch wahrgenommen. Die Lösung des Systems? Stigmatisierung: Wer nicht nachweisen kann, dass er 12–13 Jahre brav in einer Stelle gesessen und nichts „Schlimmes“ gemacht hat, wird als defizitär betrachtet, weil er nicht genug Bildung besitzt, um ein „gutes“ Mitglied des Systems zu sein. Den Menschen werden alle Möglichkeiten erschwert, damit sie arm bleiben und nicht auf die Idee kommen, selbstständig zu sein. Und Bildung allein ist nicht die Lösung. Fun Fact: Viele hochgebildete Menschen arbeiten trotzdem bei McDonald’s. Bildung garantiert also nicht automatisch Sicherheit, Unabhängigkeit oder Wohlstand. Egal, wie man es betrachtet: Letztlich drehen wir uns immer wieder im Kreis. Der Staat bleibt die Institution mit der größten Kontrolle – außer wir nehmen diese Kontrolle selbst in die Hand. Ich stehe daher erneut an dem Punkt, an dem ich versuche, herauszufinden, wie ich mein Geld, mein Einkommen und vor allem das Wenige, das ich besitze, bestmöglich sichern kann – auch in Krisensituationen.
Im nächsten Artikel werden wir diese Möglichkeiten ausführlicher diskutieren, insbesondere mit Blick darauf, was Frauen in solchen Situationen tun können. Darüber hinaus werden wir uns zeitnah mit Themen wie Inflation und Prostitution beschäftigen, da sie sehr interessante Daten liefern und zudem ein Spiel darstellen, bei dem der Gewinner oft schon von Anfang an festgelegt zu sein scheint.
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