Mein Kopf ist ein deutsches Arbeitsamt.

Meine äußere Erscheinung ein französisches Manifest von Simplizität, Bequemlichkeit und Eleganz.

Und meine innere Kritikerin ist ein alter Jude, der eine zweite Synagoge gründet, weil er zur ersten nicht gehen will.

Wie soll man sich fokussieren, wenn Palästina in der Küche steht?

Ganz einfach:

Man schreibt.

Man redet.

Man lacht über den inneren Rabbi, streitet mit dem deutschen Beamten, und lässt den Tee nicht überkochen.

Kapitel 4.2

Als meine Mutter ein Kind war, glaubte das Rechtssystem – besonders in Polen –, dass Kinder nichts fühlen.

Kinder sollten gehorchen. Schutz war kein Thema.

Als ich selbst ein Kind war, hatte sich das Bild leicht verändert:

Man wusste nun, dass Kinder Schmerz empfinden – also wurden sie bei Operationen narkotisiert.

Gleichzeitig galten Autismus und ADHS nicht als besondere Bedürfnisse, sondern als Störungen.

Etwas, das man mit Disziplin, Strafe und „Erziehung“ beheben müsse.

Als ich mein eigenes Kind bekam, glaubte man plötzlich an etwas anderes:

Kinder gehören zu ihren Eltern – um jeden Preis.

Außer, eine wohlhabende Familie wollte ein Neugeborenes

und ein junges Mädchen ohne familiäre Unterstützung hatte dieses Kind zur Welt gebracht.

Dann entschied der Staat manchmal ohne öffentliches Verfahren,

ohne echte Information der Mutter,

dass das Kind „besser aufgehoben“ sei – zur Adoption freigegeben.

Heute sagen wir:

Alle Menschen sind gleich.

Und Kinder müssen geschützt werden.

Aber die eigentliche Frage ist nicht, was wir glauben,

sondern: Was tun wir wirklich?

Früher, als meine Großmutter ein Kind war, unterstützten sich Frauen gegenseitig.

Kinder wuchsen nicht isoliert auf – sie gehörten zum Alltag, zur Nachbarschaft, zum Dorf.

Als meine Mutter ein Kind war, trug sie auf ihrer Schuluniform ein Emblem.

Daran konnte jeder erkennen, welche Schule und welche Klasse sie besuchte.

Wenn sie etwas „falsch“ machte oder ihr etwas passierte,

fühlte sich plötzlich jeder berechtigt, sie zu erziehen.

Als ich ein Kind war, hatte sich das Bild erneut verändert.

Niemand mischte sich mehr ein.

Und wenn doch, dann anonym – nicht als Verantwortung,

sondern als Anzeige, als Vorwurf, als Problem.

Als ich mein eigenes Kind bekam, mischten sich plötzlich alle ein.

In alles. Nur helfen wollte niemand.

Keine Entlastung, keine echte Unterstützung, keine Verantwortung. Heute stehen Eltern allein.

Und suchen verzweifelt nach dem Dorf,

in dem unsere Großmütter aufgewachsen sind.

Nach Nachbarn, die hinschauen.

Nach Menschen, die mittragen. Ich möchte hier eines klarstellen: Jeder Parenting-Stil hat seinen Ursprung darin, wie wir selbst aufgewachsen sind,

wie wir erzogen wurden

und welche Werte wir daraus mitgenommen haben.

Ich schreibe diesen Text nicht, um Eltern zu beschämen.

Ich schreibe ihn, um Ausmaße sichtbar zu machen.

Denn ich bemerke immer häufiger,

wie wenig vielen Menschen bewusst ist,

welchen Schaden sie anrichten –

oder bereits angerichtet haben.

Vor Kurzem fragte mich eine Freundin:

„Wie kann es sein, dass du so oft vergewaltigt wurdest? Das ist doch fast unmöglich.“

Ich fragte zurück:

„Was verstehst du unter Vergewaltigung?“

Sie hatte keine Antwort. Stattdessen erklärte sie mir, eine Frau sei verpflichtet, ihrem Partner Sex zu erlauben – auch wenn sie keine Lust hat, auch wenn es ihr Schmerzen bereitet.

„Warum ist man sonst in einer Beziehung?“

sagte sie.

„Wenn er sagt, ihm tun die Eier weh – dann tut es eben weh.“

Wegen solcher Sätze.

Wegen solcher Überzeugungen –

aus meinem eigenen Umfeld –

muss dieser Text geschrieben werden. Denn langsam beschleicht mich der Gedanke,

dass viele Menschen heute das Leben unserer Urgroßeltern führen , nur in Städten,

mit Internet und mit erschreckend wenig Verständnis für Grenzen, Konsens und Schutz.

Um eine Familie heutzutage zu ernähren, brauchen wir oft beide Elternteile, die Vollzeit arbeiten. Selbst wenn es steuerlich vorteilhaft wäre, dass die Mutter nur Teilzeit arbeitet, ändert das nichts daran, dass Kinder größtenteils von Erziehern, Kindergartenpersonal und Lehrer:innen aufgezogen werden. Corona hat uns brutal gezeigt, wie schnell Aggression und Gewalt in Haushalten steigen, wenn die ganze Familie auf einmal zuhause zusammensitzt.

Und was bleibt? Wir versuchen, uns ein paar Minuten Ruhe zu verschaffen, oft durch Elektrogeräte oder Smartphones. Wir geben unseren Kindern Bildschirmzeit, um irgendwie durch den Tag zu kommen. Fast jedes Kind nutzt seit Jahren Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat. Auch wenn der Trend bei manchen Apps wie Snapchat gerade sinkt, entstehen neue Gefahren, weil Kinder Kontakte knüpfen, die sie nicht einschätzen können. Viele Eltern merken erst zu spät, dass hinter scheinbaren „Freunden“ Gefahren lauern.

Dann kommen noch die Eltern, die ich persönlich am problematischsten finde: Die Influencer-Eltern, die ihre Kinder als Content, Gratismitarbeiter oder Klickbringer darstellen. Auf der einen Seite gehören Kinder zur Gesellschaft und haben Rechte, auf der anderen Seite werden sie oft als Mittel für Social-Media-Ziele benutzt, ohne dass ihnen wirklich Schutz geboten wird. Dank KI, digitaler Vernetzung und wachsendem Feminismus, bekommen manche Männer plötzlich Möglichkeiten, die sie früher nie hatten. Sie können Kinderbilder online verbreiten, Screenshots machen, manipulieren – alles, während Eltern glauben, dass ein paar iPhone-Einstellungen sie schützen. Und selbst Millionäre wie Paris Hilton schaffen es nicht immer, sich gegen solche Übergriffe zu schützen.

Deshalb ist es wichtig, sich zu fragen: Was bedeutet das für unsere Kinder? Wie schützen wir sie? Und was können wir tun, um sie zu befähigen, sich selbst zu schützen?

Am Ende dieser Überlegungen steht dann die Frage: Was genau ist eigentlich Grooming?

Was ist Grooming?

Grooming ist kein dunkler Mann im Gebüsch. Grooming ist oft freundlich. Geduldig. Interessiert.

Es fängt nicht mit Gewalt an, sondern mit Aufmerksamkeit.

Ein Erwachsener sucht gezielt Kontakt zu einem Kind oder Jugendlichen, baut Vertrauen auf, wird „Freund“, „Vertrauter“, manchmal sogar „Retter“. Und irgendwann wird aus Nähe ein Druck. Aus Vertrauen ein Machtgefälle. Aus Gesprächen etwas, das das Kind niemandem mehr erzählen soll.

Und genau das macht Grooming heute so gefährlich.

Es passiert leise.

Es passiert allein.

Es passiert dort, wo Eltern nicht mitlesen.

Kinder sitzen nicht mehr draußen auf der Straße, sie sitzen in Chats. In Games. In DMs. Und dort gibt es keine Alterskontrolle, keine echten Gesichter, keine klaren Grenzen. Ein Profilbild reicht. Ein netter Satz reicht. Ein „Du bist reifer als die anderen“ reicht.

Warum ist das heute so schwer zu erkennen?

Weil Grooming nicht schreit.

Es flüstert.

Weil Kinder oft glauben, sie hätten einen Freund gefunden – nicht eine Gefahr.

Weil viele Erwachsene immer noch denken, „sowas merkt man doch“. Tut man nicht. Meist merkt man es erst, wenn etwas bereits kaputt gegangen ist.

Und weil wir uns eingeredet haben, dass Bildschirmzeit kontrollierbar ist.

Ist sie nicht.

Selbst wenn dein Kind kein eigenes Handy hat, nutzt es das von Freunden. Selbst wenn dein Account privat ist, reicht ein Screenshot. Selbst wenn du „aufklärst“, fehlt oft das eine Wort: Grenze.

Grooming lebt davon, dass Kinder gelernt haben, höflich zu sein. Nett zu bleiben. Niemanden zu enttäuschen. Und genau das wird ausgenutzt.

Darum geht es hier nicht um Panik.

Es geht um Realität.

Warnzeichen bei Grooming – worauf Eltern achten sollten

Grooming passiert leise. Deshalb merken die meisten es erst, wenn es fast zu spät ist. Aber es gibt kleine Hinweise, die aufblitzen, wenn man genau hinschaut:

• Kinder schließen plötzlich ihre Handys ab, reagieren panisch, wenn man fragt, mit wem sie schreiben.

• Sie ziehen sich zurück, wirken verschlossen oder extrem geheimnisvoll.

• Alles, was früher normal war, stresst sie plötzlich – Kritik, klare Grenzen, sogar Kleinigkeiten.

• Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Rückzug von Freund*innen oder Hobbys – das sind keine „normalen Teenager-Launen“.

Erwachsene denken oft: „Ach, das ist Pubertät.“ Nein. Nicht alles, was seltsam ist, ist Pubertät. Manchmal sitzt da jemand im Hintergrund, baut heimlich Vertrauen auf, manipuliert und kontrolliert.

Was ein Kind tut, soll nicht als eine Handlung, sondern als ein Symptom aufgefasst werden.

Social Media – die Realität hinter den bunten Videos

TikTok, Instagram, WhatsApp-Kanäle – alles harmlos, alles Spaß? Denkste. Genau dort lauert die Gefahr:

• Unter Kinder- und Teenagercontent sind fast ausschließlich Kommentare von älteren Männern.

• Meist weiße Männer, 35+, die Mädchen sexualisieren, bewerten, teilweise sogar direkt ansprechen.

• Sie nutzen Inhalte wie Make-up-Tutorials, Tanzvideos oder auffällige Kleidung gezielt, um die Kinder zu beobachten und zu beeinflussen.

Interessant: Andere Ethnien oder Gruppen tauchen fast nie auf. Das Muster ist klar und wiederholbar – Grooming ist nicht zufällig, es ist strukturell.

Aber Grooming ist nicht das einzige Problem.

Und wie ihr bereits gemerkt habt – und wie ich weiter oben schon gesagt habe – leben wir nicht mehr nur mit einem Risiko. Wir leben mit Social Media.

Kinder haben heute früh eigene Kanäle. Eigene Profile. Eigene Reichweite. Und damit stehen sie früher und stärker in der Öffentlichkeit, als viele Erwachsene es je waren.

Am Anfang wirkt das harmlos. Ein paar Likes. Ein paar Tausend Follower. Applaus.

Aber sicher ist das nicht. Und es war es auch nie.

Wir wissen längst, dass auf WhatsApp‑Kanälen, Instagram und TikTok auffällig viele männlich gelesene Personen kommentieren – und zwar besonders unter Videos von jungen Mädchen.

Reiten. Leichtathletik. Ballett. Tanz. Enge Kleidung. Bewegungen.

Als würde genau dieser Content gezielt gesucht.

Wie wenig Hemmungen manche Männer haben, zeigt sich jeden Tag aufs Neue.

Ein Kommentar ist schnell geschrieben. Ein Emoji schnell gesetzt.

Und das unter dem Content von Minderjährigen.

Und dann kommen die Eltern.

Hier bin ich ehrlich zerrissen.

Einerseits: Kinder gehören zur Gesellschaft. Wir sollten sie nicht verstecken müssen.

Andererseits: Wir leben in einer Realität mit frei laufenden Männern – und da frage ich mich, ob Verstecken nicht manchmal schlicht Selbstschutz ist.

Ich stecke genau in dieser Zwickmühle mit meiner Freundin Aisha.

Sie will einen Mami‑Kanal starten. Mit ihrer Tochter.

Sie postet das Kind regelmäßig auf Facebook und in WhatsApp‑Stories.

„Das ist doch privat“, sagt sie. „Das sieht doch niemand.“

Doch in ihrer Freundesliste sind Männer aus ihrer Vergangenheit.

Männer, die sie kaum kennt.

Männer, die angeblich zur Familie gehören.

Sobald du dein Kind postest, verlierst du die Kontrolle darüber, wer es sieht.

Punkt.

Große Konzerne werden Teufel tun, um unsere Kinder zu schützen – nicht, solange die Nachfrage existiert. Und sie existiert.

Ich habe ihr gesagt: Wenn du es schon tust, dann bitte so sicher wie möglich. Filme nicht zu Hause. Zeig bitte keine Zimmer, kein Blick aus dem Fenster. Keine Umgebung oder Details. Denn Orte lassen sich schnell finden. Wohnungen lassen sich lokalisieren.

„Ach, was soll schon passieren?“, sagte sie.

Während sie das sagte, hatte ich bereits Bilder im Kopf.

Ein Mann. Zugriff auf Fotos ihres Kindes. Grok. Andere KI‑Tools.

Ein paar Klicks später existiert Content, den es nie hätte geben dürfen.

Also sagte ich: Nutze wenigstens ein VPN.

Täusche wenigstens die Plattformen ein wenig.

Und dann sehe ich:

Sie postet live, wo sie ist. Weil „ihr ja nichts passiert“. Und hier kommt Paris Hilton ins Spiel.

Millionärin. Erbin. Einflussreich. Mit Anwälten, Sicherheit, Geld, Macht. Und selbst sie ist nicht sicher. Nicht vor Deepfakes. Nicht vor Content, den sie nie erstellt hat. Nicht vor einer anonymen Masse, die man niemals vollständig stoppen kann. Wenn sie sich nicht schützen kann –

wie willst du es? Du postest dein Kind und sagst mir: „Das sieht doch niemand.“ Und ich frage mich nur:

Wie wird sich dieses Kind fühlen, wenn es Jahre später merkt, dass es doch jemand gesehen hat?

Heute haben Kinder ein Privileg verloren, das wir früher hatten: die Wahl, ob ihre Bilder, ihr Körper, ihre Momente öffentlich gemacht werden – oder nicht. Deepfakes sind nur ein Teil des Problems. Das sind manipulierte Videos oder Bilder, die Kinder und Jugendliche zeigen, oft in Situationen, die sie nie selbst freigegeben haben. Alles, was einmal online ist, kann kopiert, verändert, geteilt werden – und niemand kann es komplett zurückholen. Früher war es schwerer für männlich gelesene Personen, Zugang zu Kindern zu bekommen. Fotos, die Eltern machten, blieben privat, Geräte waren sicherer, Datenlecks selten. Kinder konnten ihre Kindheit selbst gestalten, ihre Privatsphäre war kein ständiges Risiko.

Heute ist das anders. Kinder haben Social-Media-Kanäle, posten Inhalte, die in Sekunden weltweit sichtbar sind. Sie können nicht auswählen, ob sie damit einverstanden sind oder nicht. Likes, Views und Klicks haben oft Vorrang vor Schutz. Und wir Erwachsene? Wir schauen lieber weg, weil es bequemer ist.

Aber diejenigen, die es trifft, zahlen den Preis. Es sind ihre Leben, ihre Selbstbestimmung, ihre Sicherheit, die auf dem Spiel stehen. Wir können das nicht ignorieren. Wir müssen anerkennen, dass wir in einer Zeit leben, in der Schutz nicht mehr selbstverständlich ist – und dass Kinder heute auf unsere Aufmerksamkeit und unsere Verantwortung angewiesen sind.

PS – Zur Realität von Deepfakes heute

Deepfakes sind nicht nur ein Begriff — sie sind allgegenwärtig geworden. Deepfakes sind computergenerierte Videos oder Bilder, die real wirken, aber völlig künstlich erstellt wurden. Besonders gefährlich ist, dass der Großteil von Deepfakes pornografisch ist — laut aktuellen Daten sind etwa 98 % aller Deepfake‑Videos im Internet pornografisch, und fast alle richten sich gegen Frauen und Mädchen. Weltweit haben sich Deepfakes in den letzten Jahren massiv vervielfacht: Prognosen zufolge könnten bereits 2025 etwa 8 Millionen Deepfake‑Dateien online geteilt werden, gegenüber nur rund 500 000 im Jahr 2023. Und Jugendliche sehen diese Inhalte oft direkt: In einer Studie gaben rund 26 % der 13‑ bis 18‑Jährigen an, schon sexualisierte Deepfakes von Prominenten, Freund:innen, Lehrer:innen oder sogar von sich selbst gesehen zu haben — ein Viertel der befragten Teenager ist direkt mit dieser Form von manipuliertem Material konfrontiert.  Diese Zahlen zeigen, wie weit verbreitet und wie schwer kontrollierbar diese Technologie bereits ist — und dass Kinder und Jugendliche dabei zu einem erheblichen Teil direkt betroffen sind.

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Read more -> https://www.spiegel.de/ausland/paris-hilton-realitystar-setzt-sich-fuer-opfer-von-deepfake-pornografie-ein-a-f39f5e10-30df-418c-b44d-3b1836eeefab

https://www.hollywoodreporter.com/news/politics-news/paris-hilton-alexandria-ocasio-cortez-deepfake-porn-law-1236483275/

https://beauftragte-missbrauch.de/presse/artikel/1119

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/

BRIE/2025/775855/EPRS_BRI(2025)775855_EN.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=MA7FazjPig8

https://www.westyorkshire.police.uk/advice/online-crime-safety/online-safety/cybercrime/online-grooming-child-sexual-exploitation

https://www.cps.gov.uk/prosecution-guidance/online-child-abuse-activist-groups-internet

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