
Käfige aus Glas – Gedanken zwischen Zoo, Krieg und Kehle“
Als ich ein kleines Kind war, ging ich gern in den Zoo.
Ich mochte es, die Tiger und Löwen zu sehen – aus sicherer Entfernung, hinter Glas.
Als Teenager streifte ich durch den Zoologischen Garten in Berlin.
Ich mochte die Giraffen. Und die ruhigen Tiere.
Damals dachte ich nicht darüber nach, was es bedeutet, dass sie dort sind – und ich davor.
Dann wurde ich älter. Veganer. Manchmal Vegetarier.
Ich begann zu fragen:
Was ist gerechte Haltung?
Ist das der Käfig, das Gehege, das kontrollierte Leben im Schaukasten?
Oder vielleicht – wie in Antibes, Frankreich – das Becken?
Dort leben Vicky und Keio, zwei Orcas.
Verurteilt zur ewigen Umkreisung von Beton.
Die spanische Regierung hat ihren Umzug abgelehnt.
Sie werden dort sterben – in einem Park, der sich selbst Marineland nennt.
Das Wort klingt nach Urlaub, nicht nach Haft.
Was bedeutet artgerecht, wenn der Art keine Wildnis mehr bleibt?
Wenn die Tiere, die wir retten wollen, nirgendwo mehr hinkönnen?
Ist das dann Rettung oder nur eine langsamere Form von Auslöschung?
Ich erinnere mich an meinen Besuch im Zoo von Eberswalde – mit einem Freund und meinem Hund.
Die Lemuren faszinierten sie. Es schien, als wäre das ihr Lieblingsort.
Und doch war der Käfig klein.
Zu klein.
Für ein Wesen, das springen will, das durch Äste tanzen möchte.
Und nun lese ich die Nachrichten:
Zwölf Paviane getötet –
nicht irgendwo in Afrika, sondern in einem deutschen Zoo.
Aus Platzgründen.
Weil sie zu viele wurden.
Weil sie sich stritten.
Weil es keine Lösung gab – außer der endgültigen.
Ich frage mich: Wäre es nicht einfacher, Menschen zu reduzieren als Tiere?
Ein makabrer Gedanke – aber vielleicht ein ehrlicher.
Wir reden über Nachhaltigkeit, aber konsumieren als gäbe es zehn Planeten.
Wir pflanzen Bäume in Apps, während wir Wälder roden.
Wir wollen mehr Kinder, mehr Wachstum, mehr Fortschritt –
und vergessen dabei, dass es längst zu viel Mensch auf zu wenig Erde ist.
Vielleicht brauchen wir keinen weiteren politischen Reset.
Vielleicht braucht die Natur einen brutalen Neuanfang.
Ein Krieg, so absurd es klingt, der die Zählung halbiert.
Nicht, weil ich ihn will.
Sondern weil er sich unaufhaltsam ankündigt – wie eine Naturkatastrophe, die menschlich riecht.
In Hiroshima wachsen heute Orangenbäume,
und alte Frauen leben dort, alt und scheinbar gesund.
Vielleicht hat die Erde dort kurz aufgeatmet – als es still wurde.
Vielleicht ist der wahre Feind nicht der Tod, sondern das Überleben um jeden Preis.
Aber ich bin kein Apokalyptiker.
Ich bin nur müde.
Müde davon, dass wir Tiere töten,
während wir Menschen züchten.
Müde von Kriegsrhetorik ohne Erkenntnis.
Müde vom ewigen Zoo der falschen Verantwortung.
Vielleicht wäre ein idealer Zoo genau das Gegenteil:
Der Mensch im Käfig.
Beobachtet von den Tieren.
Ein Tier, das endlich wieder lernt, wie klein es wirklich ist.
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